Archiv für den Monat: Januar 2015

„Der große Trip“ – eine Buchempfehlung –

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Wanderweg mit Gegenlicht by Rainer Sturm; pixelio.de

#13

oder einfach nur ein ganz feines Buch

Kennst du das? Du liest ein Buch und es fasziniert dich sofort, entführt dich in eine andere Welt und in ein anderes Leben. Ein Glücksfall.

So geht es mir gerade mit dem Buch „Der große Trip“ von Sheryl Strayed.
Ich bin auf dieses Buch durch den jetzt erschienen gleichnamigen Film „Der große Trip – Wild“ aufmerksam geworden.
Normalerweise habe ich mit amerikanischen Autoren wenig am Hut. Der Stil und die Story kommen mir immer vor, wie Reklame und großes Kino mit kleiner Message.

Aber diese Geschichte, die autobiographisch ist, fesselt mich, trifft mich im Herzen.
Die Story handelt von einer Frau, die den legendären Fernwanderweg Pacific Crest Trail abwandert, um ihr großes Loch im Herzen wieder zu stopfen, um zu alter Stärke zurück zu finden.
Eine Geschichte – die von Wildheit, schwerer Kindheit, großer Mutterliebe, Tod und Trauer handelt- bestärkt, macht Mut, ist wunderschön farbig und ungeschönt beschrieben.

Sheryl Strayed hat eine Gabe fesselnd ihr Leben und diese außergewöhnliche Erfahrung mit uns zu teilen. Ihre innere Gefühlswelt beschreibt sie derart nah, die sie umgebende Natur so fühlbar echt, dass man beständig das Gefühl hat, mit ihr diesen Weg zu wandern und sich zwischen drin ertappt, selbst auf Wanderschaft gehen zu wollen, um sich selbst ungeschminkt zu begegnen.
Es ist ein Buch, welches eine Frau beschreibt, die nur durch den Zufall und ihre Intuition bestärkt ein solches Wagnis, trotz Unerfahrenheit, auf sich nimmt.
Sie war keine Wanderin oder erfahrene Backpackerin, sie war eine Suchende, die sich nur von einem vagen Gefühl inspiriert sah, diese Wanderung zu unternehmen, um ihr Seelenheil zu finden.

Es ist ein Buch für Frauen.
Für uns, die wir träumen und uns wünschen, Mensch zu sein und die grenzenlose Weite unseres Daseins aus zu kosten.
Es ist für uns, weil wir stärker und unabhängiger sind, als wir glauben.
Weil wir nicht nur hübsch sind und uns auf Äußerlichkeiten verlassen sollen.
Weil wir Dinge tun können, von denen wir gar nicht wissen, dass wir es können.

Es ist ein Buch für alle, die sich selbst nicht verzeihen können, die mit sich hadern, die ein großes Päckchen mit sich herumtragen und fast daran zerbrechen.
Es ist für jeden, der suchend ist und die Hoffnung nicht aufgibt, gefunden zu werden und Hinweise zu erkennen, die wieder Mut machen die alte Zeit hinter sich zu lassen und in eine neue aufzubrechen.
Dass es sich lohnt alte Wunden nicht wieder aufreißen zu lassen, sondern sie heilen zu lassen.

Es geht tief, dieses Buch, es erinnert an eigene Träume, die verschüttet sind und sich immer wieder zu Wort melden, aber einfach wieder weg geschoben werden.
Träume, denen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte, weil sie der Stoff sind, aus dem unser Glück besteht und sich daraus unsere Zuversicht, unser Vertrauen und der tiefere Sinn unseres eigenen Daseins nährt.

Fazit

Literatur ist so vielfältig wie es Bücher gibt.
Dies ist ein Buch, welches ganz nah dran ist am Menschen und seiner individuellen Zeit und wie er damit umgegangen ist, wie er aus der Vergangenheit lernt und sich zukünftig seiner Zeit und seiner eigene Lebensweise bewusst wird.

Es lohnt sich immer wieder aufzustehen, seine Zeit zu überdenken, seine Träume, seine Wünsche.
…ob du jetzt in den Bergen wanderst, oder durch die Tiefen deiner Seele.

Gute Zeit!

Hilft uns die digitale Gesellschaft bessere Menschen zu werden?

PC Innenleben by Rainer Sturm; pixelio.de

PC Innenleben by Rainer Sturm; pixelio.de

#12

Wo befindet sich die analoge Gesellschaft im Jahre 2015?

Das Jahr ist doch erst 3 Wochen alt und Silvester kommt dir vor, als läge es schon ein halbes Jahr zurück. Von der Besinnlichkeit ist nicht mehr viel übrig.
Es ist laut, hektisch und schnell, vielerorts Gewalt, darüber herrschende Rat- und Hilflosigkeit in Diplomatenkreisen, Angst bei vielen Menschen, an vielen Orte. Wütende Bürger, die ihre Meinung halbwegs frei äußern, wo es möglich ist. Demonstrieren ist wieder angesagt.
Zwischendurch hochglanzpolierte Gesichter, trashige Fernsehformate und mehr oder weniger interessante Berichte aus allerlei Sparten, gerne mal alle paar Jahre in Wiederholung, hübsch aufbereitet.
Die Gesellschaft befindet sich zwischen der Zeile, in einem Schwebezustand, alles scheint auf dem Prüfstand zu sein.
Vieles in Bewegung, vieles im Aufbruch begriffen. Lust an der Veränderung, aber auch eine große Angst davor.
Die Politikverdrossenheit von gestern, das horrende Wirtschaftsstreben, Karrieredenken und der Leistungsdruck haben sich gewandelt. Menschen haben keine Lust mehr sich für Geld vollends zu verausgaben, sie wollen sich wieder mehr beteiligen, wollen mitmischen, wollen selbst bestimmt sein.

Und hier..

Hierzulande, mit vielen sicheren Arbeitsplätzen, müssen sich die meisten Menschen gerade nicht um ihre materielle Existenz Sorgen machen, sondern haben Zeit sich mit ihrer moralischen Existenz und ihrer Rolle als Souverän in einer Demokratie auseinander zu setzen.
Menschen solidarisieren sich und wenden sich ab von den langweiligen parlamentarischen Debatten, die ihr tägliches Leben in keinster Weise widerspiegeln. Menschen wollen sich wieder unmittelbar beteiligen, möchten sich über Hirarchieebenen. Statusebenen oder Gesellschaftsschichten solidarisieren. Etablierte Parteien verlieren sich in der Bedeutungslosigkeit und fragen sich warum.
Viele junge Menschen möchten nicht mehr ausschließlich Karriere machen, sondern fragen sich, was kann ich fernab des Berufs für Zeichen setzen, für mich alleine und für die Gesellschaft. Der Drang seinem Leben einen Sinn zu geben und ihn mit anderen zu teilen, wird spürbar größer und macht sich mal mehr mal weniger in den Gesellschaften auf der Welt breit.

Die digitale Gesellschaft

Dazu hat sicherlich der hohe technische Standard beigetragen. Laut statistischen Bundesamt haben 2013 ca. 84% der deutschen Haushalte einen Internetanschluss 85% einen Pc, im Vergleich mit dem Jahre 2003 sind das Steigerungsraten um nahezu 100%, bzw. 50%, 2003 lag der Besitz eines Pc bei 65% und der eines Internetanschlusses bei 46%.
Eine rasante Entwicklung der Vernetzung liegt hinter uns, parallel dazu stieg selbstredend der Mobiltelefonbesitz von 72% auf 92% an. Als Folge der hohen technischen Ausstattung vieler, wurden Netzwerke programmiert und die globale Welt rückte digital näher zusammen.
Werden die Netzwerke dann tatsächlich zum Netzwerken und nicht zur sinnlosen Selbstdarstellung oder Diffamierung benutzt, sind sie Gold wert. Hier hat jeder die Chance völlig barrierefrei und vor allen Dingen unabhängig von Herkunft oder Status seine Meinung zu äußern. Wir merken, wie viele Menschen gleich oder ähnlich ticken. Aktuell die Facebookgruppen, die sich spontan gründen und in Windeseile einen starken Zulauf haben, befördern diese basisdemokratischen Strömungen, regional wie global. Wie schnell sich eine Gemeinschaft zusammenfinden kann, die auf Werte setzt, deren oberstes Ziel der Respekt und die gegenseitige Verantwortung ist, nicht zuletzt die, die wir gegenüber unseren Nachkommen haben.
Die Menschen wollen wieder mehr Qualitätszeit, wie ich es vor Wochen mal auf einem Ankündigungsplakat für eine Party lesen konnte.

Bleibt noch die Beantwortung der Eingangsfrage. Sind wir jetzt bessere Menschen durch die Technik?
Ich glaube, die Technik macht es leichter möglich, Gutes und Sinnvolles schneller zu verbreiten. Leider ist aber auch der umgekehrte Fall möglich, Diskriminierung und Schrott können ebenso schnell veröffentlicht werden.
Also kann ich die Frage abschließend nur mit Nein beantworten, denn Gutes kommt letztendlich von innen. Gut zu sein ist eine Überzeugung, die Technik nicht herbei zaubern kann.

Gute Zeit!