EU verabschiedet Richtlinie zur Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs

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„Lehnt Plastiktüten ab“

So hieß eine virtuelle Facebookveranstaltung an der fast 100000 Menschen und ich am 24.12.2014 teilgenommen haben.
Aber wie es so ist, du kennst das und ich kenne das. Man steht an der Kasse und hat keine Möglichkeit, seine Einkäufe zu verpacken, weil man schon wieder einen Stoffbeutel vergessen hat.
Was macht man, man greift zur Plastiktüte, oder bekommt sie sogar ohne zu fragen einfach samt des Einkaufs ausgehändigt.

Dagegen hat die EU ein Zeichen gesetzt und am Montag dieser Woche im EU Parlament final die Richtlinie zur schrittweisen Reduzierung des Plastikverbrauchs in der EU abgesegnet.
Ziel der Richtlinie ist eine Senkung des Verbrauchs bis 2025 auf 40 Tüten pro Kopf und Jahr.

Die Mitgliedsstaaten haben nun die Wahl.
Entweder beschließen sie die Plastiktüten kostenpflichtig zum Kauf anbieten zu lassen oder sie besteuern die Tüten. Möglich wäre auch ein gänzliches Verbot.

Der Pro Kopf Verbrauch von Plastiktüten liegt in der EU bei ca. 200 Tüten (2010) im Durchschnitt.  Damit sind die konventionellen Tüten in Supermärkten oder im Einzelhandel gemeint. Nicht gemeint sind leider die dünnen Exemplare im Obst- und Gemüsebereich, sowie die Modelle bsp. auf dem Wochenmarkt.

Infografik: Plastiktüten: EU-Länder mit höchster und niedrigster Nutzung | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Allerdings kann noch 3 Monate seitens der Parlamentarier Einspruch eingelegt werden, bis die Richtlinie dann wirklich in Kraft tritt.

Eigentlich Zeit, um sich im Land Gedanken zum weiteren Vorgehen zu machen. Das Ministerium von Umweltministerin Barbara Hendricks prüft und verhandelt verschiedene Möglichkeiten.
Der Plastiktütenverbrauch der Bundesbürger ist zwar im Vergleich mit den anderen Mitgliedsstaaten relativ niedrig, könnte aber natürlich noch weiter reduziert werden.
Ob mit entscheidender Verbesserung ist dahingestellt. Zu viele unterschiedliche Akteure sind beteiligt, vom Lobbyist der Verpackungsindustrie, professionellen Umweltverbänden bis hin zum umweltbewussten Verbraucher müssen unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden.

Warum das Ganze?

Grund 1 Umweltbelastung

Wenn wir auf den Weltmeeren schippern oder an Stränden entlang flanieren, so begegnen uns bunte schöne Plastikgebilde, die umher schwimmen oder angeschwemmt worden sind. Eine riesengroße Sauerei.
Meeresbewohner essen den Plastikmüll in der Hoffnung auf ein leckeres Mahl. Das Plastik verstopft Gedärme und lässt die armen Kreaturen elend verenden.
Die Teile, die noch auf der Oberfläche schwimmen binden zusätzlich noch schädliche Gifte. Diese gelangen neben dem Plastik in die Tiere und manchmal auch auf unseren Teller. Somit sind wir doppelt gestraft.
Bei längerem Umherschwimmen zersetzt sich das Plastik zwar in winzige Sedimente, sinkt aber auf den Meeresboden ab und verrottet dort jahrhundertelang weiter.
So breitet sich langsam eine weltweite flächendeckende Mülldeponie auf dem Meeresboden aus.

Grund 2 Unsinnige Kosten

Auch an Stränden werden Plastikreste angeschwemmt und von Vögeln und anderen Tieren konsumiert, auch das zum Teil mit tödlichem Ausgang. Hierfür müssen die Küstengemeinden zusätzliche Gelder bereit stellen, um ihre Strände vom Plastik sauber zu halten.

Mit dem menschlich Verstand betrachtet, ist der Plastikkonsum ein haltloser und im Umkehrschluss eine Negativrechnung, zu viele Abstriche müssen hingenommen werden.
Leider wird dies weltweit nicht so gesehen. Es sprechen durchaus einige Vorteile für die konventionelle Tüte: Die Herstellungskosten sind niedrig, die Produktion ist leicht und schnell, außerdem sind wenige Materialien nötig, um eine wasserdichte und relativ reißfeste Tragemöglichkeit zu produzieren.
Unterm Strich landen aber 90% der hergestellten Tüten auf dem Müll, statt weiterverwendet zu werden und der Abbau einer Tüte braucht um ein potenziertes Vielfaches seiner Herstellungszeit.
Der Spiegel hat eine interessante und aufschlussreiche interaktive Weltkarte zur Herkunft des Plastikmülls veröffentlicht.

Was wären die Alternativen?

verschiedene Tragetaschen

Spontan denke man an die gute alte Stofftasche. Leider haben wir meist keine zur Hand. Was wären also die schnellen Möglichkeiten vor Ort im Supermarkt oder im Einzelhandel?

Als Möglichkeit A kämen die Papiertüten in Betracht. Leider schneidet sie in der Umweltbilanz auch nicht so gut ab.
Da sie Einwegprodukte sind, müssen sie recycelt werden. Allerdings können sie dank des Recyclingkreislaufes zu 100% wieder verwertet werden.

Als Möglichkeit B besteht die Nutzung von kompostierbaren Plastiktüten, die aber in ihrer Beschaffenheit sowohl umweltverträglich als auch umweltbelastend sind. Sie enthalten neben Cellulose und Stärke weiterhin noch Plastikanteile. Im Entsorgungsprozess finden diese Tüten keine eindeutige Adresse.
Im Biomüll werden sie bei der anschließenden Kompostierung aussortiert. Im gelben Sack ist sie dank ihrer doch umweltschonenden Beschaffenheit, ebenfalls störend.

Als Möglichkeit C gibt es an vielen Kassen, ob Supermarkt oder bsp. Drogerie die Mehrwegplastiktaschen.
Die Beschaffenheit aus Polyethylen ist zwar immer noch umweltschädlich, aber diese schlechte Bilanz wird durch die lange Nutzungsdauer relativ wett gemacht.

Fazit

Die  beste Möglichkeit und in der Ökobilanz unschlagbar ist und bleibt die Stofftasche.
Sie kann immer und überall mitgenommen und unbegrenzt wiederverwendet werden, zur Not als Topf- oder Putzlappen, wenn sie an allen Ecken und Enden gerissen ist.

Als praktischen Tipp hätte ich folgenden anzubieten:
Man kann wunderbar alte ausrangierte Unterhemden als Stofftaschen umfunktionieren.
Welche Tipps hättet ihr noch, aus welchen Materialien umweltschonende Taschen und Trage- und Transportmöglichkeiten hergestellt werden können?

Eine gute Zeit in der Hoffnung, dass ihr immer eine Stofftasche an der Frau oder dem Mann habt!
Tina

Weitere Infos:

  • Eine gute Übersicht von verschiedenen Transporttaschen bietet die deutsche Umwelthilfe in einem entsprechenden Artikel.
  • ebenso informativ ist eine PDF des Bundesumweltamtes zum Thema Plastiktüte

2 Gedanken zu „EU verabschiedet Richtlinie zur Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs

  1. Dagmar

    Danke. Ich denke oft an diese Verschmutzung der Weltmeere, und finde es gut, dass noch mehr Menschen darüber Bescheid wissen. Ich bediene mich öfter an der leeren Kartons in den Regalen, es gibt immer eine Alternative, wir sind nicht gezwungen, alles kaputtzumachen. was wir hier produzieren, entspricht dem Zustand in uns drin (Eckhard Tolle). Liebe Grüße, das Dilemma geht uns alle an.

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    1. Tina Artikelautor

      Liebe Dagmar
      das ist eine sehr gute Idee! Wir brauchen mehr davon, bzw. mehr Menschen, die auf Alternativen vor Ort zurückgreifen.
      Danke für den Hinweis!
      Tina

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