Streiks der sozialen Arbeiter

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#26

Kein Interesse

Mein Berufsstand streikt und keinen interessierts.
In den großen Zeitungen rangiert das Thema irgendwo dazwischen.
Ich bin entsetzt.

Protesters crowd walking in a demonstration - vector illustration
Protesters crowd walking in a demonstration – vector illustration ddd-01 by isaxar, fotolia.de

Bahn, Post oder Industrie Streiks sind immer Schlagzeilen wert.
Aber die Arbeit am Menschen offensichtlich nicht.
Ich bin Sozialarbeiterin und als solche Akademikerin. Im Vergleich zu anderen Professionen mit Studium aber diejenige, die am wenigsten Verdienst hat. Gut, gestört hat es mich hin und wieder, aber diesen Job macht man ja aus Idealismus und nicht des Geldes wegen.
Aber weit gefehlt, so richtig ist das auch nicht. Ich will schon entsprechend entlohnt werden, für das was ich mache.

Es reicht

Jetzt gehen die Sozialberufe in der Kinder- und Jugendarbeit auf die Strasse, sie brauchen eine moralische Aufwertung und dem zur Folge, eine Höhergruppierung und mehr Geld für ihren Dienst am Menschen.
Wir arbeiten mit dem Menschen und versuchen kleinen wie größeren, gehandicapt, straffällig, oder , oder Perspektiven und Sinn aufzuzeigen in einer Gesellschaft oder Gemeinschaft zusammen zu leben.

Der Beruf des Aufpassers, auf all jene in der Gesellschaft, die sich in irgendeiner Form nicht selbst vollständig versorgen können, ist auf dem Prüfstand.
In der Wohlstandsgesellschaft sollen am besten nur gesunde leistungsstarke Menschen und Macher agieren.
Alle, die da nicht reinpassen oder schlicht zu klein sind, werden betreut. Und sie sollen gut betreut sein, mit Förderung, Resozialisierung und Inklusion.

Die Gesellschaft will Mitglieder, die Steuern bezahlen und selber fleißig Kinder bekommen sollen, aber gut investieren will sie nicht.
Und wo wenig Verdienst, da wenig Bewerber und Menschen, die Lust haben diesen Beruf überhaupt zu ergreifen.
Und der Bedarf an gutem Personal steigt ständig.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Zeit zur Veränderung ist so günstig wie nie. Viele, viele Kollegen und Erzieher gehen jetzt oder morgen oder auch nächste Woche  auf die Strasse, um für einen Berufsstand zu werben, der allen sehr am Herzen gelegen sein müsste.
Schließlich sind wir die Vertrauten eurer Kinder neben euch.  Schließlich betreuen wir die, die es alleine nicht  schaffen oder die auf die schiefe Bahn geraten sind, und, und, und.
Und das soll auch so bleiben…

Ich bitte alle, die Streikenden zu unterstützen, auch wenn man selbst betroffen ist und seine Kinder irgendwo anders unterbringen muss.

Gute Zeit!

Was denkst du?