Wie viel Arbeit ist gut für dich?

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#19

In den Gesundheitsreports 2015 von Bertelsmann & Barmer, Techniker und DAK zur Arbeitsbelastung sticht mir eine Tatsache ins Auge:

-Irgendwie ist alles zu schnell und wir kommen nicht mehr hinterher-

Was sagen die Reports?

  • 30% der Arbeitnehmer fühlen sich überfordert.
  • ein Viertel macht kaum Pausen
  • Jeder vierte will zu den Leistungsfähigen gehören, also schnell und viel arbeiten.
  • Aber jeder fünfte schätzt sein eigenes Leistungspensum falsch ein.
    Entweder denkst du, du könntest mehr aus dir herausholen. Oder du kannst eigentlich weniger leisten, als von dir verlangt wird.
  • Obendrein kommt für fast die Hälfte der Befragten noch das Gefühl hinzu, dass man sowieso nichts verändern kann.
  • Nur jeder zweite glaubt daran, aus diesem Hamsterrad aussteigen zu können.
  • wir sind immer mehr und sogar länger krank sind
  • Seit 2010 steigt der Krankenstand in Deutschland kontinuierlich an.
  • Die Zahl der psychisch Erkrankten nimmt in den letzten Jahren prozentual zu. Für diese Gruppe werden laut Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse immer mehr Angebote installiert. Aber die Zahl der Erkrankten steigt trotz der Bemühungen immer weiter.

Beschwerden

Die Hauptbeschwerden reichen von Gelenk- und Muskelschmerzen bei den älteren Arbeitnehmern über psychische Erkrankungen in den mittleren Lebensjahren, bis zu Atemwegserkrankungen bei den Jüngeren.

Ursachenforschung

Bei der Suche nach den Ursachen schaue ich mir die am stärksten betroffenen Branchen an.
Mir wird einiges klar:
Die Kurierfahrer, gehetzten Paketauslieferer, Lageristen oder Bahn- U-Bahn und Busfahrer sind die häufigsten Patienten. Es sind die Tätigkeiten, die der Zeit immer hinterher rennen. Sie sind die großen Verlierer der technisierten, globalen Welt. Ein ständiger Wettbewerb um schnelleren Transport und Beförderung. Ihre Tätigkeiten sind in Zeitkorsette gepresst, die jeden Tag erfüllt werden müssen.
Da ist es kein Wunder, das die eine oder der andere zu Aufputsch- oder Beruhigungspillen greift um den Irrsinn noch auszuhalten. (Das Schwerpunktthema des diesjährigen Gesundheitsreports der DAK heißt: Doping am Arbeitsplatz)

Was machen wir, wenn wir uns krank fühlen?
Richtig, wir gehen zum Arzt.
Leider sind die, die uns helfen sollen ebenfalls ganz oben im Ranking der Gestressten und Erkrankten.
Die drittgrößte Branche ist das Bildungs- und Erziehungswesen.
Hier sollen doch eigentlich Grundsteine für eine gerechtere Zukunft gelegt werden. Leider leidet das System an den überforderten Mitarbeitern. Es leidet an Bildung, deren Vermittlung zeitlich verkürzt und doch komplett vermittelt werden soll.  Es leidet am Förderungsdruck: Jüngere Kinder, die am liebsten Geige, Klettern und Kochen gleichzeitig machen sollen.

In der Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren vieles rasch verändert.

  • Lernanforderungen sind durch die Technisierung und die Globalisierung gestiegen
  • Viele Prozesse sind vereinfacht worden.
  • Einfache Arbeitsplätze sind weggefallen/ wegrationalisiert worden
  • Die digitale Vernetzung hat uns immer näher aneinander rücken lassen, d.h. die Reaktionszeiten sind immer schneller.
  • Globale Teams
  • Konferenzen rund um die Uhr
  • Datenabgleich in Sekunden
  • mehr Flexibilität

Wie kann es besser gehen?

Die Frage ist nicht, ob alle mitkommen, denn ihnen bleibt oft nichts anderes übrig.  Vielen Arbeitnehmern bleibt von Anfang an nicht die Möglichkeit, sich und ihren Beruf auszuprobieren. Dort ihre speziellen Fähigkeiten in ihrem persönlichen Tempo zu entdecken und zu präzisieren.
Die Frage könnte sein:
Was kann die Politik und auch Unternehmen tun, um ihre Arbeitnehmer ernst zu nehmen und ihre Kapazitäten sinnvoll einzusetzen.
Wie kann ich Potenziale erkennen, sie fördern und sie richtig einsetzen?

Wie umsetzen?

Arbeitszeit und Freizeit sollten sich die Waage halten
Arbeitszeit und Freizeit halten sich die Waage

Wichtig ist zunächst Transparenz seitens der Arbeitgeber und eine Loyalität gegenüber ihren Mitarbeitern, das Vertrauen weckt.
Die Bertelsmannstudie rät zu regelmäßigen Mitarbeitergesprächen, um die persönlichen Leistungsgrenzen immer wieder neu auszuloten und sie festzuschreiben.

Weitere könnten sein:

  • Flexible Arbeitszeiten für die Vereinbarkeit Familie und Beruf/ Home Office.
  • Coachingangebote für Mitarbeiter und psychologische anonyme Beratungsmöglichkeiten.
  • Betriebssozialarbeiter, die sich um die Lebensgestaltung der MA kümmern und unterstützend wirken.
  • regelmäßige Fort- und Weiterbildungsangebote
  • Einstellung weiterer Mitarbeiter zur Qualitätssicherung
  • Bereitstellung von mehr Equipment
  • Schaffung von flexiblen Zeitinseln und Ruheecken zum Verschnaufen und Innehalten
  • regelmäßige Sport- und Entspannungsangebote
  • Last but not least: Förderung einer ganz eigenen sozialen Betriebskultur wie gemeinsame Aktionen, gemeinsame Feiern oder besonderes Vorgehen bei persönlichen Wegmarken der Mitarbeiter, etc.

Ich hoffe, dass sich immer mehr Unternehmen formieren, die auf innovative Mitarbeiterkonzepte setzen. Mitarbeitern mehr zutrauen und nicht nur nach Timing arbeiten, sondern ereignisorientiert, bis ein Projekt fertig ist.

ergebnisorientiertDenn Schnellschüsse waren noch nie präzise und überlegt.

Gute Zeit!

Weiterführende Links:

DAK Gesundheitsreport 2015
Infografik aus dem Depressionsaltlas der Techniker Krankenkasse: durchschnittlichen Fehltage auf Grund  von psychischen Erkrankungen
Neue Facebookimpulse Andersarbeiten.denkimpulse

 

Was denkst du?